Jochen Heins

Qualitative Inhaltsanalyse in der Aufgabenwirkungsforschung – Mit dem Rüstzeug der  QIA neue Wege gehen

Jochen Heins

Jochen Heins

„Ausgewertet wird mit Qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring.“ Diesen Satz liest man so häufig, wie er wenig aussagekräftig ist. Denn es gibt nicht die QIA nach Mayring. Mayring (2010) selber führt z.B. unterschiedliche Techniken der QIA auf, die disparaten Zielen folgen. Wagt man einen Blick über die Mayring´sche Lichtung hinaus, zeigt sich aber erst das wahre „Dickicht“ (Schreier 2014) der Varianten und Begrifflichkeiten der QIA. Und da gibt es noch viel zu entdecken.
Nach einer kurzen Einführung – in der, gleichsam mit einem Blick von weit oben, Wege im QIA-Dschungel  identifiziert werden – wird anhand eines aktuellen Projektes der Aufgabenwirkungsforschung aufgezeigt, was es alles zu erleben gibt, wenn man die ausgetretenen Pfade verlässt. Keine ganz große Seltenheit, aber auch nicht im Vorgarten der QIA anzutreffen, ist die „Mischform der Kategorienbildung”. (Kuckartz 2012) Die deduktiv-induktive Kategorienbildung besitzt großes Potential für einen adaptiven Einsatz der QIA.

Entdeckt werden soll außerdem am Beispiel der Zuordnung von Kategorien über textverstehende Operationen zu Aufgabenergebnissen, dass mit der QIA auch transferweite Kodierungen möglich sind, die auf der Basis manifester Informationen, Schlussfolgerungen größeren Umfangs intersubjektiv nachvollziehbar machen. (Groeben und Rustemeyer 2002) Nicht unbedingt nur für Abenteurer, aber eher für diejenigen, die neue Wege probieren wollen, soll anhand von Projektdaten gezeigt werden, dass man auch mit einem kodierenden Verfahren Verstehensentwicklungen rekonstruieren kann – ein Ziel, für das die Guides der sequenzanalytischen Verfahren bisher eine Wegerecht hatten. Dazu muss die Kategorienzuweisung aber als Mittel – im Dschungel-Bild gesprochen als Machete – auf dem Weg zu einem Ziel betrachtet werden und nicht als Ziel selber. Nach der Kategorienzuweisung sind nämlich noch vielfältige Prozesse der Ergebnisaufbereitung denkbar, die als „sekundäre Auswertungsverfahren“ (Schreier 2006) bezeichnet werden können. Und wie immer bei Wegen: Ob man den richtigen Weg geht bzw. frei schlägt, hängt von der Zielerwartung ab. Welche Form der Kategorien (formal, evaluativ, strukturierend) man wählt, in wie vielen Kodierdimensionen parallel kodiert wird und wie viele Ausprägungen und/oder Unterkategorien nötig sind: All das und vieles mehr hängt davon ab, wo man hin will. Der Beitrag berichtet von den eigenen Wegen und zeigt, von diesen ausgehend, auf weitere Gebiete, die mit der Ausrüstung der QIA noch für die deutschdidaktische Forschung urbar gemacht werden können.

 

Quellenangaben

  • Heins, Jochen: „Der Beitrag der Aufgabenwirkungsforschung für die Lernaufgabenentwicklung. Exemplarisch gezeigt am Einfluss diskursiver und poetischer Verfahren auf das Textverstehen“. In: Bernd Ralle et.al. (Hg.): Lernaufgaben entwickeln, bearbeiten und überprüfen – Ergebnisse und Perspektiven der fachdidaktischen Forschung. Münster u.a.: Waxmann, S. 128–138.
  • Heins, Jochen: Zum Einfluss diskursiver und poetischer Verfahren auf das Textverstehen von Schülerinnen und Schülern oder wie der Kompetenzerwerb im Lesen individuell gefördert werden kann“. In:  Volker Frederking et.al. (Hg.): Taschenbuch des Deutschunterrichts.  Aktuelle Fragen der Deutschdidaktik. 3 Bände. Baltmannsweiler:  Schneider Hohengehren (3), S. 610–627.
  • Groeben, Norbert; Rustemeyer, Ruth (2002): Inhaltsanalyse. In: Eckard König und Peter Zedler (Hg.): Qualitative Forschung. Grundlagen und Methoden. 2. Aufl. Weinheim: Beltz, S. 233–258.
  • Kuckartz, Udo (2012): Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung. Weinheim: Beltz Juventa.
  • Mayring, Philipp (2010): Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. 11. Aufl. Weinheim: Beltz.
  • Schreier, Margrit (2006): Qualitative Auswertungsverfahren. In: Norbert Groeben und Bettina Hurrelmann (Hg.): Empirische Unterrichtsforschung in der Literatur- und Lesedidaktik. Ein Weiterbildungsprogramm. Weinheim: Juventa-Verl., S. 421–441.
  • Schreier, Margrit (2014): Varianten qualitativer Inhaltsanalyse: Ein Wegweiser im Dickicht der Begrifflichkeiten. [59 Absätze]. In: Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research 15 (1), zuletzt geprüft am 03.02.2014.

 

Biografische Notiz – Jochen Heins

Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich ‚Didaktik der deutschen Sprache und Literatur‘ an der Universität Hamburg.

Arbeits- und Forschungsschwerpunkte:
(1) Aufgabenstellungen im Literaturunterricht
(2) Didaktik des Textverstehens
(3) qualitative AufgabenWIRKUNGSforschung.